Eizellqualität vs. Eizellmenge bei der IVF: Was Ihre Eizellzahl wirklich bedeutets

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02 Jul 2026
Illustration eines Spermiums, das eine Eizelle erreicht, vor blauem Hintergrund, als Symbol für Eizellqualität versus Eizellmenge bei Fruchtbarkeit und IVF.

IVF ist nicht nur ein Zahlenspiel

Wenn Sie mit einer In-vitro-Fertilisation (IVF) beginnen, ist es leicht, sich auf die Zahlen zu konzentrieren: wie viele Eizellen Sie haben, wie viele entnommen wurden, wie viele befruchtet wurden und wie viele Embryonen es bis Tag 5 geschafft haben.

Diese Zahlen sind wichtig, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte.

Eines der wichtigsten Dinge, die man früh verstehen sollte, ist der Unterschied zwischen Eizellmenge und Eizellqualität. Sie können eine geringere Eizellzahl haben und dennoch gute Erfolgschancen haben. Sie können auch eine hohe Anzahl an Eizellen produzieren, aber dennoch keinen gesunden Embryo für den Transfer erhalten.

Bei Ferticentro helfen wir Patientinnen und Patienten dabei, über die Zahlen hinauszublicken und zu verstehen, was den IVF-Erfolg wirklich beeinflusst.

Was bedeutet Eizellmenge?

Ovarielle Reserve”, wie Ärzte sie in der Fruchtbareitsbehandlung, üblicherweise nennen, bezeichnet die Anzahl der Eizellen (Eizellmenge), die Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in Ihren Eierstöcken haben. Ihre ovarielle Reserve sagt Ärzten nicht alles über Ihre Fruchtbarkeit aus. Sie zeigt nicht, ob Sie auf natürlichem Weg schwanger werden können, und sie misst auch nicht die Eizellqualität. Sie zeigt lediglich, wie viele Eizellen Ihre Eierstöcke möglicherweise noch zur Verfügung haben und wie sie auf eine IVF-Behandlung reagieren könnten.

Für weitere Informationen über den eigentlichen Ablauf der IVF, lesen Sie unseren Einsteigerfaden zur IVF.

Frauen werden mit allen Eizellen geboren, die sie jemals haben werden. Mit der Zeit nimmt diese Zahl auf natürliche Weise ab. Mit zunehmendem Alter wird Ihre ovarielle Reserve kleiner, insbesondere ab Mitte 30. Aus diesem Grund ist die Eizellmenge eines der ersten Dinge, auf die  Fruchtbarkeitsspezialisten vor einer IVF achten.

Zur Beurteilung der Eizellmenge bei der IVF verwenden Ärzte in der Regel zwei Tests:

  • AMH-Bluttest
  • Ultraschall zur Bestimmung der Antralfollikelzahl

Was ist AMH?

AMH steht für Anti-Müller-Hormon. Dieses Hormon wird von kleinen Follikeln in Ihren Eierstöcken produziert. Ein einfacher Bluttest kann Ihren AMH Wert messen.

Ihr AMH-Wert hilft Ihrem Fruchtbarkeitsspezialisten, eine Vorstellung von Ihrer ovariellen Reserve zu bekommen. Einfach ausgedrückt kann er darauf hinweisen, ob Sie möglicherweise noch eine höhere oder niedrigere Anzahl an Eizellen haben. Es ist einer der am häufigsten eingesetzten Fruchtbarkeitstests vor einer IVF-Behandlung.

Was sind Antralfollikel?

Antralfollikel sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen in den Eierstöcken. Jeder Antralfollikel kann eine unreife Eizelle enthalten. Diese Follikel können bei einer Ultraschalluntersuchung gesehen werden, normalerweise zu Beginn Ihres Menstruationszyklus.

Durch das Zählen dieser Follikel kann Ihr Arzt Ihre Antralfollikelzahl bestimmen. Diese liefert einen weiteren wichtigen Hinweis auf Ihre Eizellreserve und darauf, wie Ihre Eierstöcke während einer IVF-Behandlung möglicherweise auf die Stimulationsmedikamente reagieren werden.

Warum die ovarielle Reserve bei einer IVF wichtig ist

Ihre ovariellen Reserve, Ihr AMH-Wert und die Antralfollikelzahl helfen Ihrem Fruchtbarkeitsteam einzuschätzen, ob während der Behandlung voraussichtlich weniger oder mehr Eizellen heranwachsen könnten. Dies hilft ihnen, Ihre Medikamente zu planen und realistische Erwartungen für Ihren Zyklus festzulegen. Auch wenn diese Informationen hilfreich sein können, sagt die Anzahl der Eizellen nichts über deren Qualität aus, die von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass eine geringe ovarielle Reserve nicht bedeutet, dass IVF nicht funktionieren kann. Es bedeutet lediglich, dass Ihr Arzt Ihre Behandlung möglicherweise sorgfältig anpassen muss. Es ist außerdem wichtig zu wissen, dass diese Tests die Eizellqualität nicht messen, da dies ein separates Thema ist.

Was ist Eizellenqualität?

Die Eizellqualität bezieht sich darauf, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Eizelle:

  • befruchtet wird
  • sich zu einem gesunden Embryo entwickelt, und
  • zu einer erfolgreichen Schwangerschaft führt.

Dies ist schwieriger zu messen als die Eizellanzahl. Selbst eine Eizelle, die normal aussieht, kann chromosomale Abweichungen aufweisen, die ihre richtige Entwicklung verhindern oder das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.

Deshalb ist die Eizellqualität bei IVF oft wichtiger als die Eizellanzahl.

Der wichtigste Faktor, der die Eizellqualität beeinflusst, ist das Alter. Mit zunehmendem Alter einer Frau ist es wahrscheinlicher, dass die verbleibenden Eizellen in ihren Eierstöcken chromosomale Probleme aufweisen. Dies ist einer der Hauptgründe, warum die Erfolgsraten von IVF mit zunehmendem Alter tendenziell sinken.

Was sind chromosomale Abweichungen?

Fotografische Darstellung eines Satzes menschlicher Chromosomen (Karyotyp), die in homologen Paaren und in numerischer Reihenfolge angeordnet sind und das Down-Syndrom zeigen, bei dem drei Kopien von Chromosom 21 statt zwei vorhanden sind.

Chromosomale Abweichungen sind genetische Zustände, die durch Veränderungen in der Anzahl oder Struktur der Chromosomen entstehen. Diese Abweichungen können bereits in der Eizelle vorhanden sein oder nach der Befruchtung auftreten, wenn sich der Embryo zu teilen beginnt.

Chromosomen sind Bündel genetischen Materials, die DNA enthalten. Ein gesundes Ei sollte 23 Chromosomen enthalten.* Wenn es von einem Spermium befruchtet wird, das ebenfalls 23 Chromosomen beisteuert, sollte der daraus entstehende Embryo insgesamt 46 Chromosomen haben.

Wenn die Eizelle oder der Embryo zu viele, zu wenige oder beschädigte Chromosomen hat, kann dies die Entwicklung beeinträchtigen. Der Embryo kann:

  • sich nicht normal entwickeln
  • sich nicht normal entwickeln
  • sich nicht in der Gebärmutter einnisten
  • zu einer Fehlgeburt führen
  •  seltener zur Geburt eines Kindes mit einer genetischen Erkrankung führen.

Deshalb sind Chromosomenanomalien bei der IVF von so großer Bedeutung. Eine Eizelle kann im Labor normal aussehen und dennoch Chromosomenfehler aufweisen. Und selbst nach der Befruchtung können noch Fehler auftreten, während sich der Embryo weiter teilt.
Die Wahrscheinlichkeit solcher Chromosomenprobleme steigt mit dem Alter, was einer der Gründe ist, warum die Eizellqualität im Laufe der Zeit abnimmt.

Eizellqualität vs. Eizellmenge: Warum der Unterschied bei IVF wichtig ist

Viele Patientinnen und Patienten gehen davon aus, dass die Gewinnung einer größeren Anzahl an Eizellen automatisch die Chance auf eine Schwangerschaft erhöht. Es ist verständlich, so zu denken. Mehr Eizellen können zwar mehr Möglichkeiten bedeuten, führen jedoch nicht immer zu besseren Ergebnissen.

Wichtig ist, was danach passiert.

Dr Vladimiro Silva, Wissenschaftlicher Leiter von Ferticentro, erklärt:

“Wir sehen Patientinnen und Patienten, die in einem Zyklus fünfzehn Eizellen produzieren, aber am Ende nur einen gesunden Embryo haben. Wir sehen auch Patientinnen und Patienten, die fünf Eizellen produzieren und vier erhalten. Die Anzahl der gewonnenen Eizellen ist nur der Ausgangspunkt.”

 

 

Wichtig ist, was in jeder einzelnen Phase passiert: Befruchtung, Entwicklung und letztlich die Qualität der Embryonen, die Ärztinnen und Ärzte übertragen können. Deshalb geht es bei der IVF nicht einfach darum, die größtmögliche Anzahl an Eizellen zu gewinnen. Es geht darum, die bestmögliche Chance zu geben, einen gesunden Embryo zu erzeugen.

Warum mehr Eizellen nicht immer zu besseren IVF-Ergebnissen führen

Eine höhere Anzahl an Eizellen kann zwar hilfreich sein, bedeutet jedoch nicht automatisch ein besseres Ergebnis. Bei jeder Phase der IVF sinkt die Anzahl in der Regel. Ärztinnen und Ärzte bezeichnen dies als die sogenannte „Attritionsrate“. Es bedeutet, dass:

  • nicht jede entnommene Eizelle reif ist
  • nicht jede reife Eizelle befruchtet wird
  • nicht jede befruchtete Eizelle sich weiterentwickelt
  • nicht jeder Embryo das Blastozystenstadium erreicht
  • nicht jede Blastozyste für die Übertragung geeignet ist

Dies ist ein normaler Bestandteil der IVF. Deshalb geben die Eizellzahlen nur einen Teil der Geschichte wieder. Am Ende vermittelt die Qualität der Embryonen in der Regel ein klareres Bild Ihrer Erfolgsaussichten.

Wie die Eizellqualität jede Phase der IVF beeinflusst

Zu verstehen, was während der IVF passiert, kann es erleichtern zu erkennen, wo die Qualität am wichtigsten ist.

Eizellenentnhame

Nach der Ovarialstimulation werden Ihre Eizellen während eines kleinen Eingriffs entnommen, meist unter Sedierung. Die Anzahl der gewonnenen Eizellen hängt von Ihrer Ovarialreserve und davon ab, wie Ihr Körper auf die Medikamente reagiert.

Befruchtung

Nicht jede Eizelle wird erfolgreich befruchtet. Bei der IVF mit ICSI, bei der ein einzelnes Spermium direkt in jede reife Eizelle injiziert wird, sind die Befruchtungsraten oft gut, dennoch werden einige Eizellen sich nicht befruchten.

Embryoentwicklung

Die befruchteten Eizellen werden 5 bis 6 Tage lang überwacht, während sie sich zu Embryonen entwickeln. Einige hören auf, sich weiterzuentwickeln, bevor sie das Blastozystenstadium erreichen. Dies ist ganz normal und bedeutet nicht, dass sich andere Eizellen derselben Frau nicht zu Blastozysten entwickeln werden.

Embryonenauswahl

Embryologen beurteilen die Embryonen anhand ihres Wachstums, ihres Zellbildes und ihrer Entwicklung im Zeitverlauf. Dies hilft dabei, diejenigen Embryonen zu identifizieren, die sich mit der höchsten Wahrscheinlichkeit erfolgreich einnisten.

Mikroskopaufnahme eines Blastozysten-Embryos, die einen entwickelten Embryo im Stadium zeigt, das häufig vor dem Transfer oder dem Einfrieren bei der IVF erreicht wird.

Genetische Tests

Bei einigen Patientinnen kann die, Präimplantationsdiagnostik, oder PGT, dabei helfen, Embryonen mit chromosomalen Auffälligkeiten vor dem Transfer zu erkennen.

Dies kann insbesondere dann relevant sein, wenn ein höheres mütterliches Alter vorliegt, wiederholte Fehlgeburten aufgetreten sind oder bereits erfolglose IVF-Zyklen durchgeführt wurden.

Dr. Silva sagt:

„Genetische Tests verbessern die Embryonen nicht, aber sie können uns helfen, diejenigen zu identifizieren, die die beste Chance auf eine gesunde Schwangerschaft haben.“

 

Für die richtigen Patientinnen kann es einen echten Unterschied für die Behandlungsergebnisse und auch für das emotionale Erleben des gesamten Prozesses machen.

Kann die Eizellqualität verbessert werden?

Dies ist einer der schwierigsten Aspekte der Fruchtbarkeitsbehandlung. Ein gesunder Lebensstil kann die allgemeine reproduktive Gesundheit unterstützen, aber die Eizellqualität nicht wesentlich verbessern.

Es kann dennoch hilfreich sein:

  • nicht rauchen
  • ein gesundes Körpergewicht halten
  • sich ausgewogen ernähren
  • Stress möglichst reduzieren

Diese Maßnahmen unterstützen Ihre allgemeine Gesundheit, können jedoch altersbedingte Veränderungen der Eizellqualität nicht rückgängig machen.

Bei vielen Frauen über 38, bei Frauen mit niedrigem AMH-Wert oder bei Frauen mit wiederholt erfolglosen IVF-Zyklen kann die Eizellqualität die Hauptproblematik sein.

Wann Spender-Eizellen die beste Option sein können

Wenn die Eizellqualität Ihre Erfolgschancen stark beeinträchtigt kann eine IVF mit Eizellspende die effektivste Behandlungsoption sein.

Die Verwendung von Spender-Eizellen ist kein letzter Auswegt. Es ist eine gut etablierte Behandlung, die vielen Menschen geholfen hat, Eltern zu werden.

Da die Eizellqualität mit zunehmendem Alter in der Regel abnimmt, kann die IVF mit Spender-Eizellen bei Frauen über 40 höhere Erfolgsraten haben als eine IVF mit eigenen Eizellen. Spender-Eizellen stammen meist von jüngeren, gesunden Frauen, die sorgfältig untersucht wurden.

Dr. Silva erklärt:

“Ich ermutige Patientinnen immer, die Eizellspende nicht als einen Verlust zu sehen, sondern als eine echte Chance. Sie tragen die Schwangerschaft aus. Sie sind von Anfang an bei jedem Moment der Entwicklung Ihres Kindes dabei. Diese Bindung ist echt und tiefgreifend.”

 

Bei Ferticentro wählen wir Spenderinnen und Empfängerinnen sorgfältig aus und berücksichtigen dabei körperliche Merkmale sowie die Blutgruppe.

Wir können zudem einen Test zur genetischen Kompatibilität zwischen der Empfängerin und der ausgewählten Spenderin anbieten, bei dem bis zu 2.200 Genmutationen untersucht werden, um das Risiko vererbter genetischer Erkrankungen bei durch Spende gezeugten Kindern zu verringern. Lesen Sie hier mehr über unsere Ei-und Samenbank.

Sie erhalten außerdem detaillierte Informationen über die Spenderinnen, einschließlich körperlicher Merkmale, Gesundheitsgeschichte, Bildung und Persönlichkeitsmerkmalen.

Da es sich um eine Open-ID-Spende handelt, ist die Identität der Spenderin während des Behandlungsprozesses geschützt, jedoch erlaubt das portugiesische Recht den durch eine Spende gezeugten Personen, ab dem 18. Lebensjahr identifizierende Informationen zu erhalten.

Fragen, die Sie stellen sollten, wenn Sie bereits erfolglose IVF-Zyklen hatten

Wenn Sie bereits einen oder mehrere IVF-Zyklen ohne Erfolg durchlaufen haben, kann es sinnvoll sein, Ihren Kinderwunsch-Spezialisten zu fragen, ob die Eizellqualität ein möglicher Faktor gewesen sein könnte.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Wie war die Qualität der erzeugten Embryonen?
  • Wurden Embryonen genetisch getestet?
  • In welchem Stadium haben sich die Embryonen nicht weiterentwickelt?
  • Ist die Eizellqualität wahrscheinlich Teil des Problems?
  • Würde ein anderes Stimulationsprotokoll helfen?
  • Sollten wir über Spender-Eizellen sprechen?

Bei Ferticentro bieten wir Beratungsgespräche für Patientinnen an, die ihre bisherigen Behandlungen überprüfen und die nächsten geeigneten Schritte besprechen möchten. Kontaktieren Sie uns über diesen Link.

Sie sind mehr als Ihre Eizellzahl

Kinderwunschbehandlungen können sich sehr stark auf Zahlen konzentrieren. AMH-Werte, Follikelzahlen, Befruchtungsraten und Embryonenbewertungen sind klinisch wichtig, aber sie definieren Sie oder Ihre Chancen nicht allein.

Egal, ob Sie gerade mit der IVF beginnen, sich auf Ihren ersten Zyklus vorbereiten oder nach einer schwierigen Erfahrung Antworten suchen – das Team von Ferticentro steht Ihnen mit klarer, einfühlsamer Beratung zur Seite, die auf Ihre individuelle Situation zugeschnitten ist. Wenn Sie den nächsten Schritt gehen möchten, vereinbaren Sie einen Beratungstermin mit uns.